{"id":1217,"date":"2013-11-27T14:31:50","date_gmt":"2013-11-27T13:31:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/?p=1217"},"modified":"2017-10-17T08:52:17","modified_gmt":"2017-10-17T06:52:17","slug":"fair-wear-foundation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2013\/11\/27\/fair-wear-foundation\/","title":{"rendered":"Umwelt- und Sozialstandards (2): Die Fair Wear Foundation"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-356\" title=\"Outdoor &amp; Nachhaltigkeit\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/special_sustainability3.jpg\" alt=\"Outdoor &amp; Nachhaltigkeit\" width=\"300\" height=\"193\" \/>Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich aus Gewerkschaften, anderen NGOs und verschiedenen Unternehmen zusammensetzt und seit 1999 vor allem in Asian f\u00fcr bessere Arbeitsbedigungen k\u00e4mpft. Seit 2010 hat die FWF bereits \u00fcber 50 Mitglieds-Unternehmen, darunter einige Hochkar\u00e4ter der Outdoorbranche.<!--more--><\/p>\n<p>Wie bereits im <a href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/11\/16\/bluesign\/\">Artikel \u00fcber bluesign\u00ae<\/a> festgehalten, gibt es in der Outdoorbranche noch kein branchen\u00fcbergreifendes erfolgreiches Pull-Marketing f\u00fcr Umwelt- und Sozialstandards, wie es beispielsweise bei wasserdichten Membranen funktioniert. Gore-Tex kennt jeder, m\u00f6chte jeder, obwohl die Firma gar keine eigenen Produkte, sondern nur Materialien herstellt. Gore-Tex gilt als Qualit\u00e4tsmerkmal, dass f\u00fcr eine Kaufentscheidung sicherlich nicht selten mitentscheidend ist. Das gleiche muss so schnell wie m\u00f6glich auch f\u00fcr Umwelt- und Sozialstandards gelten: Sie sollten zu einem der wesentlichen Kriterien f\u00fcr Kaufentscheidungen und daher ganz gezielt nachgefragt werden. Nur so k\u00f6nnen Firmen langfristig gezwungen werden, auch aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden wesentliche Standards f\u00fcr Arbeits- und Produktionsbedingungen einzuhalten.<\/p>\n<h3>Die Fair Wear Foundation<\/h3>\n<p>Den wahrscheinlich besten Standard f\u00fcr Arbeitsbedingungen in der Textilbranche hat die Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation (FWF) gesetzt. Sie wird von verschiedenen Organisationen geleitet, darunter auch die <a href=\"http:\/\/www.cleanclothes.org\/\" target=\"_blank\">Clean Clothes Campaign<\/a> (CCC) aus den Niederlanden, und ihre Standards basieren auf jenen der International Arbeitsorganisation (ILO) und der allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte und konzentrieren sich insbesondere auf die Sicherstellung der Vereinigungsfreiheit (also z.B. der Freiheit, Gewerkschaften zu gr\u00fcnden), dem Einhalten der geregelten Arbeitsstunden und der Zahlung eines Existenzlohns. <a href=\"http:\/\/fairwear.org\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1280 alignleft\" title=\"Fair Wear Foundation\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/images\/label\/FairWearFoundation.png\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a>Da Mindestl\u00f6hne in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern und gerade in Produktionsl\u00e4ndern der Textilindustrie keine Existenz sichern k\u00f6nnen, spielen <a href=\"http:\/\/www.evb.ch\/p19646.html\" target=\"_blank\">Existenzl\u00f6hne<\/a> &#8211; die \u00fcber Mindestl\u00f6hnen liegen &#8211; eine enorm wichtige Rolle. Insbesondere in asiatischen Schwerpunktl\u00e4ndern der Textilindustrie deckt der gesetzliche Mindestlohn teilweise nur 20-60% der Lebenskosten &#8211; wenn er denn \u00fcberhaupt bezahlt wird. Weitere internationale Kooperationspartner sind z.B. die <a href=\"http:\/\/www.ethicaltrade.org\/\" target=\"_blank\">Ethical Trading Initiative<\/a> (ETI), das <a href=\"http:\/\/www.workersrights.org\/\" target=\"_blank\">Workers\u2019 Rights Consortium<\/a> (WRC), die <a href=\"http:\/\/www.fairlabor.org\/fla\/\" target=\"_blank\">Fair Labor Association<\/a> (FLA) und <a href=\"http:\/\/www.sa-intl.org\/\" target=\"_blank\">Social Accountability International<\/a> (SAI).<\/p>\n<p>Der Arbeitskodex der FWF, der die Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Mitglieds-Unternehmen ist und f\u00fcr dessen Einhaltung dementsprechend alle Mitglieder verantwortlich gemacht werden, beinhaltet acht Grunds\u00e4tze:<\/p>\n<ul class=\"eckdaten\">\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=36\" target=\"_blank\">Der Arbeitsplatz wird vom Arbeitnehmer frei gew\u00e4hlt<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=37\" target=\"_blank\">Es gibt keine Diskriminierung am Arbeitsplatz<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=38\" target=\"_blank\">Es gibt keine Kinderarbeit<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=39\" target=\"_blank\">Das Vereinigungsrecht und das Recht f\u00fcr die Verhandlung von Tarifvertr\u00e4gen<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=40\" target=\"_blank\">Es wird ein Existenzlohn gezahlt<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=41\" target=\"_blank\">Keine exzessiven Arbeitszeiten<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=42\" target=\"_blank\">Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/fairwear.org\/labour-standards?uid=43\" target=\"_blank\">Es gibt einen rechtlich bindenden Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Einhaltung dieser Arbeitsrichtlinien wird durch eine unabh\u00e4ngige dritte Organisation durch regelm\u00e4\u00dfige Audits kontrolliert. Diese werden zwar vorher angek\u00fcndigt, welcher Fabrikbereich aber kontrolliert wird bleibt bis zur Kontrolle selbst geheim. Gleichzeitig verlangen die Auditoren, die immer lokale Organisationen mit Kenntnis \u00fcber die lokal gesprochenen Sprachen und Gesetzeslagen sind, vollst\u00e4ndige Akteneinsicht. Die FWF will sicherstellen, dass die Standards nicht zum l\u00e4stigen Anh\u00e4ngsel des Unternehmens,\u00a0 sondern zu einem integralen Bestandteil der Management-Strategie insgesamt werden. Daher werden nicht nur die Produktionsstandorte, sondern auch z.B. die Zentralen der Unternehmen in anderen L\u00e4ndern auditiert. Gleichzeitig wird kontrolliert, ob Arbeiter und Arbeiterinnen genug M\u00f6glichkeiten haben, ohne Angst vor Konsequenzen Beschwerde \u00fcber die Arbeitssituation einreichen zu k\u00f6nnen. Es werden au\u00dferdem schon vor den Audit-Terminen Interviews mit einzelnen Mitarbeitern gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>All diese Mechanismen auf verschiedenen Ebenen funktionieren als ein Art Sicherheitsnetz f\u00fcr die Arbeiterinnen und Arbeiter von Mitgliedsunternehmen, indem sie eine dritte unabh\u00e4ngige, aber lokal verortete Instanz als weiteren Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung stellen. Diese greifen dann, wenn z.B. die vorhandenen Kan\u00e4le f\u00fcr Beschwerden nicht fair gestaltet sind oder nicht effektiv funktionieren. Das f\u00fchrt dazu, dass Arbeitnehmer zu bef\u00e4higt werden, die Einhaltung des FWF-Arbeitskodex durch ihre Arbeitgeber selbst zu kontrollieren. Daher ist es wesentlich, dass diese Instanz von lokalen Organisationen (meist Frauenrechtsorganisationen) besetzt wird: Sie sprechen die Sprache der Angestellten, sind \u00fcber lokale Kan\u00e4le und Rufnummern jederzeit erreichbar und im Notfall schnell vor Ort.<\/p>\n<p>Wird festgestellt, dass ein Produzent die FWF-Standards nicht erf\u00fcllt, wird ausdr\u00fccklich nicht verlangt, dass sich die Marke von diesem Produzenten trennt &#8211; im Gegenteil! Die FWF erstellt in der Folge einen detaillierten Corrective Action Plan (CAP), also eine Art Aufgabenkatalog zur schrittweisen Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Hier kommt eine Sonderregel zum Tragen, die die Situation f\u00fcr manche Marken aus verschiedenen Gr\u00fcnden aber verkomplizieren kann: Viele Produktionsst\u00e4tten sind Joint Ventures. Das bedeutet, dass VAUDE, Jack Wolfskin und Mammut (fiktives Beispiel) m\u00f6glicherweise einen Teil ihrer Kollektion in ein und derselben Fabrik anfertigen lassen. Wenn aber nun nur eines der drei Unternehmen Mitglied der FWF w\u00e4re und mit einem CAP einen erheblichen Arbeitsaufwand auf sich nehmen w\u00fcrde, k\u00f6nnten die anderen beiden Firmen einfach ein Jahr sp\u00e4ter ebenfalls in die FWF eintreten &#8211; und dann aber den CAP, der ja schon f\u00fcr die erste Firma in dieser Fabrik besteht, mit \u00fcbernehmen. Sie h\u00e4tten so erheblichen Aufwand gespart. Kurzum: Firmen, die fr\u00fch der FWF beigetreten sind, verdienen daf\u00fcr Anerkennung vom Kunden. Daher sei angemerkt, dass sowohl VAUDE, Jack Wolfskin als auch Mammut alle Mitglieder der FWF sind.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Audits (der Kontrollen) werden von der FWF <a href=\"http:\/\/fairwear.org\/msa-reports-2011#pageitem\" target=\"_blank\">auf ihrer eigenen Website ver\u00f6ffentlicht<\/a>. \u00dcber die Fortschritte und Problematiken jedes Mitglied-Unternehmens wird ausf\u00fchrlich und transparent berichtet. Dort gibt es dar\u00fcber hinaus weitere, Country-Reports \u00fcber die Situation in den einzelnen L\u00e4ndern unabh\u00e4ngig von den Mitglieds-Unternehmen und ausf\u00fchrliche Informationen die genauen Hintergr\u00fcnde der Standards und ihre Implementierungsprozesse.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie <a href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/11\/16\/bluesign\/\">bluesign\u00ae<\/a> bei Umweltstandards spielt die Fair Wear Foundation in Sachen Sozialstandards in der Textilindustrie eine besondere Rolle. Sie setzt nicht nur die strengsten Standards, sondern fordert auch die konsequenteste Verpflichtung. Denn Produkte, die aus einer von der FWF auditierten Fabrik stammen, d\u00fcrfen von den Herstellern <strong>nicht<\/strong> gezielt beworben werden! Die Fair Wear Foundation verlangt, dass die Einhaltung von internationalen Menschen- und Arbeitsrechten eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und daher ausdr\u00fccklich nicht Teil einer Marketing-Strategie ist.<\/p>\n<h3>Die Outdoorbranche und die Fair Wear Foundation<\/h3>\n<p>Aus der Outdoorbranche sind folgende <a href=\"http:\/\/fairwear.org\/?w=fair-wear-brands\">Unternehmen<\/a> Mitglied der Fair Wear Foundation:<\/p>\n<ul class=\"eckdaten\">\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.deuter.com\/de_DE\/news-493.php?title=Deuter%20Mitglied%20der%20Fair%20Wear%20Foundation\" target=\"_blank\">deuter<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.jack-wolfskin.com\/de-de\/unternehmen\/unsere-verantwortung\/gegenueber-produzenten\/fair-wear-foundation\/beitritt-von-jack-wolfskin-in-die-fair-wear-foundation.aspx\" target=\"_blank\">Jack Wolfskin<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.mammut.ch\/de\/cr_people_fwf.html\" target=\"_blank\">Mammut<\/a> (erstes Mitglied aus der Outdoorbranche)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.monkeeclothing.com\/de\/seele\/\" target=\"_blank\">Monkee<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.odlo.com\/de\/#uber_odlo\/verantwortung\/\" target=\"_blank\">Odlo<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.schoeffel.de\/1\/company\/press\/news-detail\/article\/schoeffel-ist-nun-mitglied-der-fair-wear-foundation\/\" target=\"_blank\">Sch\u00f6ffel<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.vaude.com\/de_DE\/fair-wear-foundation.asp\" target=\"_blank\">VAUDE<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Um ein konkretes Beispiel zu bringen: Anhand des <a href=\"http:\/\/fairwear.org\/images\/2011-07\/jackwolfskin_msareport_2011.pdf\" target=\"_blank\">Audit-Reports von Jack Wolfskin<\/a> ist nachvollziehbar, wie die FWF funktioniert, aber auch welche Herausforderungen existieren. Dort steht etwa, dass 99% des Einkaufsvolumens von Jack Wolfskin in 2010 von der FWF auditiert worden &#8211; 40% ist die Mindestanforderung f\u00fcr eine Mitgliedschaft. Dabei wurden Produktionsst\u00e4tten in Vietnam, Bangladesch und Thailand \u00fcberpr\u00fcft und festgestellt, dass bspw. in Vietnam nur Mindestl\u00f6hne, also keine Existenzl\u00f6hne, gezahlt werden und es Defizite bei der Arbeitssicherheit gibt. Und w\u00e4hrend Angestellte in der thail\u00e4ndischen Fabrik teilweise keine Kopie ihres Arbeitsvertrages erhielten und zu viele \u00dcberstunden leisten mussten, hat die Farik in Bangladesh immerhin f\u00fcr einen kleinen Teil der Angestellten h\u00f6here L\u00f6hne als in umliegenden Produktionsst\u00e4tten gezahlt.<\/p>\n<h3>Normalzustand als Katastrophe<\/h3>\n<p>Das wir Labels wie bluesign\u00ae oder Fair Trade \u00fcberhaupt ben\u00f6tigen, ist ein Armutszeugnis. Wir leben in einer Welt, in der Produkte, die keine Menschenrechte verletzen oder keine gesundheits- oder umweltsch\u00e4dlichen Stoffe beinhalten, besonders gekennzeichnet werden m\u00fcssen um aufzufallen. Das ist absurd. Das Gegenteil sollte der Fall sein: Alle Produkte in allen Branchen sollten ganz selbstverst\u00e4ndlich und grunds\u00e4tzlich diese Qualit\u00e4tsstandards aufweisen, w\u00e4hrend jene Produkte, die es nicht tun, entsprechend gekennzeichnet und ggf. schlicht verboten werden m\u00fcssten. Der Status Quo, der Normalzustand, ist jedenfalls untragbar &#8211; sowohl f\u00fcr den Mensch, als auch f\u00fcr die Natur.<\/p>\n<p>Labels oder Initiativen wie die Fair Wear Foundation sind lobenswert und richtig. Aber sie k\u00f6nnen die globalen Probleme nicht alleine l\u00f6sen, da sie von Nachfrage seitens der Kundschaft abh\u00e4ngig sind. Und die ist alles andere als garantiert. Das k\u00f6nnen wir \u00e4ndern. Das m\u00fcssen wir \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich aus Gewerkschaften, anderen NGOs und verschiedenen Unternehmen zusammensetzt und seit 1999 vor allem in Asian f\u00fcr bessere Arbeitsbedigungen k\u00e4mpft. 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