{"id":367,"date":"2011-08-22T19:30:47","date_gmt":"2011-08-22T17:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/?p=367"},"modified":"2011-08-28T00:31:33","modified_gmt":"2011-08-27T22:31:33","slug":"leichte-outdoor-ausruestung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/08\/22\/leichte-outdoor-ausruestung\/","title":{"rendered":"Gewichtsreduzierung der Outdoor-Ausr\u00fcstung &#8211; Sinn und Unsinn"},"content":{"rendered":"<p>Die Diskussionen um ultraleichte Ausr\u00fcstung beginnen in der Regel mit den immer gleichen Fragen: Luxus oder Leichtigkeit, Komfort oder kompakt? Diese Fragen sind jedoch irref\u00fchrend und haben letztendlich nichts mit dem grunds\u00e4tzlichen Gedanken einer Gewichtsreduzierung der Trekkingausr\u00fcstung zu tun. Denn die Grundidee ist: Leichtigkeit <strong>ist<\/strong> Luxus. Je kompakter die Ausr\u00fcstung, desto komfortabler die Tour.<!--more--><\/p>\n<p>Komfort und Luxus ist selbstverst\u00e4ndlich h\u00f6chst subjektiv und neben dem pers\u00f6nlichen Empfinden nicht zuletzt auch von der L\u00e4nge und Art der Tour abh\u00e4ngig. Wenn ich nur eine Nacht auf die Wasserkuppe m\u00f6chte, kann ich zur Not auch 20kg satteln. Wenn ich aber mehrere Wochen auf dem Kungsleden verbringen m\u00f6chte, sieht das ganz anders aus. Am Anfang der Idee einer ultraleichten Ausr\u00fcstung seht daher eine von allen Geschm\u00e4ckern nachvollziehbare \u00dcberlegung. Versucht wird, eine Spirale der Gewichtsreduzierung herbeizuf\u00fchren. Das hei\u00dft, je leichter und kompakter die Ausr\u00fcstung, desto leichter kann das Tragesystem des Rucksacks sein. Ist der Rucksack insgesamt leichter, reicht dann oft auch eine leichtere und kompaktere Regenjacke, z.B. aus <a href=\"http:\/\/www.bergfreunde.de\/s\/gore--tex--paclite--shell\/kategorie--bekleidung-maenner\/\" target=\"_blank\">Gore-Tex Paclite-Shell<\/a> anstatt einer robusteren <a href=\"http:\/\/www.bergfreunde.de\/s\/gore--tex--pro--shell\/kategorie--bekleidung-maenner\/\" target=\"_blank\">Pro-Shell<\/a>. Bei dieser speziellen Form des 2-Lagen-Laminats wird durch den Verzicht auf einen Futterstoff und die Verwendung besonders leichter Materialien aus Carbon Gewicht gespart, ohne dabei Kompromisse bei der Wasserdichtigkeit zu machen. Dieses Material ist dann zwar weniger abriebfest, durch einen leichteren Rucksack entsteht aber auch weniger intensive Reibung. Au\u00dferdem sind mit leichteren Rucksack auch leichtere Wanderschuhe eine Option. Das ist besonders wichtig, da f\u00fcr den K\u00f6rper ein Gramm am Fu\u00df f\u00fcnf mal schwerer wiegt als ein Gramm am R\u00fccken, im Rucksack.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bergzeit.de\/trekkingrucksack-golite-pinnacle-rucksack.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright size-full\" title=\"GoLite Pinnacle\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/images\/gear\/golite_pinnacle.png\" alt=\"GoLite Pinnacle\" border=\"0\" \/><\/a>Beim Blick in aktuelle Kataloge oder Magazine f\u00e4llt jedoch auf, dass nicht nur jedes zweite Produkt mittlerweile als ultraleicht, leicht, sehr leicht oder je nach Geschmack auch als extrem leicht beworben wird. Dann kommt es schon mal vor, dass der Deuter Air Contact 65 in einem bekannten Outdoor-Magazin als leichter Rucksack beschrieben wird. 2,8kg sind absolut gesehen vielleicht wenig, eine Aussage \u00fcber das Gewicht der Ausr\u00fcstung ist aber nur in Relation zu anderen Modellen sinnvoll. Relativ gesehen ist ein Rucksack mit 2,8kg nicht leicht, schon gar nicht ultraleicht. Zum Vergleich: Der GoLite Pinnacle fasst bis zu 70 Liter und wiegt dabei nur 900g. Noch mehr Gewicht kann gespart werden, wenn das R\u00fcckenpolser des Rucksacks durch die eigene Isomatte und die Polsterung am H\u00fcftgurt durch die eigene Unterw\u00e4sche ersetzt wird. Klar ist aber nat\u00fcrlich auch, dass das Gewicht per se nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t des Produkts aussagt.<\/p>\n<p>An diesem Beispiel wird klar, warum die Idee ultraleichter Trekkingausr\u00fcstung vor allem aus der Weitwanderszene kommt, insbesondere aus den USA. Je l\u00e4nger die Tour, desto mehr addieren sich die t\u00e4glichen Kilos, desto gr\u00f6\u00dfer wird die k\u00f6rperliche Belastung. F\u00fcr Weitwanderer die mehrere hundert, vielleicht sogar tausende Kilometer an einem St\u00fcck wandern m\u00f6chten, bedeutet eine zu schwere Ausr\u00fcstung im schlimmsten Fall schlichtweg den Abbruch der Tour, weil der K\u00f6rper zu streiken beginnt. Mit leichter Ausr\u00fcstung dagegen sind Tage mit 30 und mehr Kilometern zwar immer noch herausfordernd, aber bei weitem nicht so belastend f\u00fcr den K\u00f6rper, und damit auch f\u00fcr den Geist. Vor diesem Hintergrund bekommt das Verlangen nach vermeintlich komfortabler oder luxuri\u00f6ser Ausr\u00fcstung eine ganz andere Note: Eine Tour ist besser als keine Tour, da sind sich sicher alle einig. Ein weiterer Grund ist, dass die Outdoor-Branche in den USA ganz anders strukturiert ist als in Europa: &#8220;Hier gibt es eine Reihe von kleinen, aber erfolgreichen Herstellern, die mit innovativer Ausr\u00fcstung und pers\u00f6nlichem Service das bieten, was man sonst nirgendwo bekommt&#8221;, schreibt Stefan Dapprich von <a href=\"http:\/\/www.trekking-ultraleicht.de\/news.php?readmore=50\" target=\"_blank\">Trekking-Ultraleicht.de<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bergfreunde.de\/msr-e-wing-wetterschutz\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full\" title=\"MSR E-Wing Tarp\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/images\/gear\/msr_tarp.png\" alt=\"MSR E-Wing Tarp\" border=\"0\" \/><\/a>Das alte Klischee von abges\u00e4gten Zahnb\u00fcrsten ist damit zwar nicht grunds\u00e4tzlich obsolet geworden, aber moderne leichte Trekkingausr\u00fcstung kann heute h\u00e4ufig das gleiche leisten wie vergleichbare schwerere Modelle. Oder mehr. Das gilt insbesondere f\u00fcr die in der Regel schwersten vier Gegenst\u00e4nde jeder Ausr\u00fcstung: Zelt, Isomatte, Rucksack und Schlafsack. Hier kann zwar am meisten gespart werden, der Sinn einer Gewichtsreduzierung der Trekkingausr\u00fcstung ist es aber ausdr\u00fccklich nicht, einen leichteren Schlafsack zu kaufen um dann doch das gr\u00f6\u00dfere und schwerere Zelt mitzunehmen. Eine leichte Outdoor-Ausr\u00fcstung sollte gut aufeinander abgestimmt sein und sich erg\u00e4nzen. Deswegen wird auf den entsprechenden Blogs (siehe unten) auch immer wieder darauf hingewiesen, dass der richtige Umgang mit ultraleichter Ausr\u00fcstung viel Erfahrung braucht. Eine konsequent ultraleichte Ausr\u00fcstung wiegt am Ende nicht mehr als sieben Kilo. Je nachdem, wo es hingeht. Den richtigen UL-Freaks ist das sogar noch zu viel. Ein Beispiel: Das im Bild zu sehende MSR E-Wing Tarp wiegt rund 500g. Das <a href=\"http:\/\/www.trekking-lite-store.com\/trekkingshop\/Zelt\/ZPacks-Cuben-Tarp-Set-up::272.html\" target=\"_blank\">ZPacks Cuben Tarp<\/a> wiegt hingegen nur 188g. Es ist aus Cuben Fibre hergestellt, einem extrem leichten Laminat aus Dyneema, Polyester und anderen Stoffen, das unter anderem beim Segeln oder im Flugzeugbau zum Einsatz kommt. Wem das zu sehr nach Raketenwissenschaft klingt, dem sei gesagt, dass es auch ganz allgemeine Faustregeln f\u00fcr die Reduzierung des Gewichts der Outdoor-Ausr\u00fcstung gibt. Bei Klamotten ist Kunstfaser besser als Naturfaser, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Denn die ist leichter und trocknet in der Regel schneller, was wiederum bedeutet, dass sie unkomplizierter zu waschen ist, was wiederum dazu f\u00fchrt, dass weniger Wechselw\u00e4sche mit auf Tour muss. Die positive Gewichtsspirale funktioniert also schon bei einfachen Dingen, wie man sieht. Beim Schlafsack ist es allerdings umgekehrt: Da ist die Daunenf\u00fcllung leichter als die Kunstfaserf\u00fcllung, trocknet aber schlechter.<\/p>\n<p>Das meiste Gewicht wird aber immer noch bei den Sachen gespart, die zu Hause im Schrank bleiben. Man sollte sich selbstkritisch fragen, was wirklich mit muss. Das ist am Ende oft weniger, als man denkt. Erst danach sollte man in&#8217;s Detail gehen: Muss wirklich das Zelt mitgenommen werden, oder reicht ein Tarp? Muss der Schlafsack mit, oder komme ich auch mit Quilt zurecht? Brauche ich wirklich drei Paar Wechselw\u00e4sche, oder reicht nicht einfach jeweils ein Kleidungsst\u00fcck zum wechseln? Oder noch konsequenter: Brauche ich einen richtigen Gaskocher, oder reicht auch der selfmade-Alkoholkocher aus einer halben Bierdose? Brauche ich die ganze Isomatte, oder lege ich meine F\u00fc\u00dfe einfach auf den Rucksack? Irgendwo zwischen diesen Fragen verliert sich dann auch die Frage nach Sinn und Unsinn (ultra)leichter Outdoor-Ausr\u00fcstung, denn abgesehen von den Grunds\u00e4tzlichkeiten ist sie vor allem eine der pers\u00f6nlichen Vorlieben. Ich pers\u00f6nlich wandere leicht, bewundere aber Anh\u00e4nger ultraleichter Ausr\u00fcstung sehr. Nicht unbedingt, weil mich das Jagen nach dem letzten Gramm mitgerissen hat, sondern weil sie sich f\u00fcr ihre Leidenschaft nicht nur begeistern, sondern sie aktiv mitgestalten. Manchen Menschen reicht es, Wandern zu gehen. Andere aber n\u00e4hen sich ihren Rucksack selbst und setzen sich so nicht nur Materialien, sondern auch mit ihrem Hobby und sich selbst intensiv auseinander. In der Ultraleicht-Szene gibt es kein &#8220;geht nicht&#8221;. Das ist es, was mich fasziniert. UL-Fans stehen f\u00fcr &#8220;DIY&#8221; (do it yourself), sie sind die Punks der Outdoor-Szene: Als anfangs kein Plattenlabel Punk-Musiker unter Vertrag nehmen wollte, haben diese einfach ihre eigenen Label gegr\u00fcndet und ihre Musik auf eigene Faust ver\u00f6ffentlicht. Heute schaffen es Punk-Bands regelm\u00e4\u00dfig in die Charts. Vor ein paar Jahren noch wurden auch die &#8220;Zahnb\u00fcrstenabs\u00e4ger&#8221; meist nur bel\u00e4chelt. Heute richtet sich eine ganze Industrie immer mehr nach Ihnen aus.<\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es in jedem Fall auch in Deutschland eine lebendige und erfolgreiche Ultraleicht-Szene. Carsten Jost bspw. arbeitet flei\u00dfig daran, einer der wenigen deutschen Triple-Crown-Thruhiker zu werden, also die drei gro\u00dfen US-amerikanischen Weitwanderwege zu bew\u00e4ltigen. Nach dem Appalachian Trail (3500km) und dem Pacific-Crest-Trail fehlt (4200km) ihm &#8220;nur&#8221; noch der Continental Divide Trail (5000km). Nachdem er seinen ersten Trip auf dem Pacific-Crest-Trail nach 1000km aufgrund einer R\u00fcckenverletzung abbrechen musste, ist er einer der Vordenker der deutschen Leichtwanderszene geworden, die beispielsweise mit dem <a href=\"http:\/\/www.trekking-lite-store.com\/trekkingshop\/\" target=\"_blank\">Trekking-Lite-Store<\/a> nicht nur einen auf leichte Ausr\u00fcstung spezialisierten Shop, sondern auch einer Reihe erfolgreicher Blogs hervorgebracht:<\/p>\n<ul class=\"eckdaten\">\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/blog.fastpacking.de\/\" target=\"_blank\">Fastpacking<\/a> (Carsten Jost, bietet auch UL-Kurse an)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/laufbursche.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Laufbursche<\/a> (Mateusz Szultk, Erfinder des Laufbursche Huckepacks)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/lighthiker.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Lighthiker<\/a> (Roman Ackl, viele DIY-Infos und Links, auf Englisch)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.trekking-ultraleicht.de\/\" target=\"_blank\">Trekking-Ultraleicht<\/a> (Stefan Dapprich, die Anlaufstelle Nr.1 f\u00fcr UL-Infos in Deutschland, inkl. Forum)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/hrxxlight.com\/\" target=\"_blank\">hrXXLight<\/a> (Benjamin Moryson)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.ausgeruestet.com\/search\/label\/Leichtwandern\/max-results=7\" target=\"_blank\">ausgeruestet.com<\/a> (Marcel Naumann, bastelt Ausr\u00fcstung auch mal selbst)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/uloutdoors.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">UL Outdoor<\/a> (Matthias Kodym, gerade auf dem PCT unterwegs!)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.trailblaze.de\/\" target=\"_blank\">Trailblaze<\/a> (Johannes Huwe)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/qbloggt.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Q<\/a> (Enno Kunze)<\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/www.beuteltiere.org\/\" target=\"_blank\">Die Beuteltiere<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/rioleichtsinn.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Rio Leichtsinn<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/lighthiker.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Light Hiker<\/a><\/li>\n<li class=\"eckdaten\"><a href=\"http:\/\/ultraknilch.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Der Knilch<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3>Zum Abschluss: Das Ultralight A-Z Intro von <a href=\"http:\/\/www.hikinginfinland.com\/\" target=\"_blank\">Hendrik Morel<\/a><\/h3>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/player.vimeo.com\/video\/27906412?byline=0&amp;portrait=0&amp;color=ff9933&amp;autoplay=0\" frameborder=\"0\" width=\"640\" height=\"360\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diskussionen um ultraleichte Ausr\u00fcstung beginnen in der Regel mit den immer gleichen Fragen: Luxus oder Leichtigkeit, Komfort oder kompakt? 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