{"id":398,"date":"2011-08-05T12:43:15","date_gmt":"2011-08-05T10:43:15","guid":{"rendered":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/?p=398"},"modified":"2011-12-12T10:34:18","modified_gmt":"2011-12-12T09:34:18","slug":"outdoor-und-nachhaltigkeit-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/08\/05\/outdoor-und-nachhaltigkeit-2\/","title":{"rendered":"Outdoor und Nachhaltigkeit (2)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-356\" title=\"Outdoor &amp; Nachhaltigkeit\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/special_sustainability3.jpg\" alt=\"Outdoor &amp; Nachhaltigkeit\" width=\"300\" height=\"193\" \/>In der <a title=\"Outdoor und Nachhaltigkeit (1)\" href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/07\/26\/outdoor-und-nachhaltigkeit-1\/\">Einleitung zum hugsforhikers-Spezial<\/a> \u00fcber Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche wurde bereits darauf hingewiesen, dass nahezu alle Outdoormarken nicht nur mit einem besonders umweltfreundlichen und sozial verantwortungsbewussten Image werben, sondern von einem allgemein gestiegenen Interesse an Nachhaltigkeit und Umweltschutz erheblich profitieren. Hinzu kommen weitgehend\u00a0stagnierende L\u00f6hne in vielen Branchen, die einen Urlaub im Allg\u00e4u\u00a0pl\u00f6tzlich mit den Str\u00e4nden Kaliforniens\u00a0konkurrieren lassen und somit Radeln und Wandern ein immer attraktiverer Zeitvertreib werden. Zwischen absurden Finanz- und Wirtschaftskrisen zeigte sich die Outdoorbranche daher krisenfest. Doch diese zeichnet sich auch durch eine bisweilen besonders kritische Kundschaft aus, wie das Beispiel Jack Wolfskin zeigt. Als die Firma aus dem Taunus Abmahnungen an N\u00e4herinnen schickte, die als Logo eine \u00a0Pfote verwendeten, reagierte die Kundschaft: Der \u201eTatzenskandal\u201c, der im Internet und der Outdoor-Blogosph\u00e4re f\u00fcr viel Aufregung sorgte und Jack Wolfskin zum einlenken zwang hat bewiesen, dass Kunden der Outdoor-Branche kritisch und aufmerksam sind.<!--more--><\/p>\n<p>Als die <a title=\"Clean Clothes Campaign\" href=\"http:\/\/www.cleanclothes.org\/\">Clean Clothes Campaign<\/a> auf der weltweit f\u00fchrenden Outdoormesse<a title=\"OutDoor-Messe\" href=\"http:\/\/www.outdoor-show.de\/\"> \u201eOutDoor\u201c<\/a> in Ludwigshafen 2010 eine Studie \u00fcber die Produktions- und Arbeitsbedingungen der 15 Marktf\u00fchrer vorstellte, war die Aufmerksamkeit entsprechend gro\u00df. Denn die Studie kam zu einem ern\u00fcchternden Ergebnis. Zwar boomt die Outdoorbranche, setzt sich in Bezug auf soziale Verantwortung der Produzenten aber nicht von anderen Marktsegmenten ab, produziert vornehmlich in Billiglohnl\u00e4ndern wie Vietnam, China oder Bangladesch und zahlt dort durchschnittlich nur das, was gesetzlich \u00fcber lokale Mindestl\u00f6hne n\u00f6tig ist. Doch nicht selten liegen diese Mindestl\u00f6hne unter dem Existenzminimum, und sie sind nur ein Faktor unter vielen. Zwangsarbeit oder eine weitgehende Entrechtung der ArbeiterInnen sind gleicherma\u00dfen unvereinbar sind mit einem sozial und umweltbewussten Weltbild, sollte man meinen.<\/p>\n<p>Die Textilverarbeitung ist und bleibt die Dom\u00e4ne von Hungerl\u00f6hnen und prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen. Auch in der Outdoorbranche. Doch dort, das ist zumindest die hier vertretene Meinung, wiegt der gnadenlose Blick auf die Profite doppelt schwer, denn sie offenbart einen tief liegenden Widerspruch. Denn wie kein zweiter Marktbereich profitiert sie von einer weltoffenen, global interessierten Kundenbasis, von Reise- und Abenteuerlust in fremden L\u00e4ndern, von Fernweh und Entdeckungsdrang. Insbesondere mit \u201ealltagstauglicher\u201c Outdoorbekleidung versucht man sich doch, sind wir ehrlich, nicht nur vielleicht als Bergsportler, sondern als umweltfreundlich, modernen, global verantwortungsbewusst zu pr\u00e4sentieren. Think global, act local. Ein Frankfurter Banker tr\u00e4gt seine Jack Wolfskin Jacke in seinem SUV auf dem Weg zur Arbeit nicht, weil sie wetterfester ist als andere, sondern weil damit ein Image transportiert werden soll. Nat\u00fcrlich kann man nun \u00fcber diese Ironie diskutieren, aber Fakt ist, dass es insgesamt eine immer gr\u00f6\u00dfere Nachfrage sowohl nach fair gehandelten als auch nach \u00f6kologisch hergestellten Produkten gibt. Und das ist \u00e4u\u00dferst positiv.<\/p>\n<p>Wenn also ausgerechnet die Outdoorbranche nun versucht aus dieser neuen Nachfragestruktur Gewinn zu schlagen ohne dabei tats\u00e4chlich einen Beitrag zur Verbesserung der sozi\u00f6konomischen und \u00f6kologischen Situation in Erzeugerl\u00e4ndern zu leisten \u2013 wer soll diesen wichtigen und notwendigen Schritt in der Textilindustrie dann \u00fcberhaupt tun? Discounter? Luxuslabels? Auch ein 400-Euro-Expeditionsstiefel wird von Menschen gen\u00e4ht \u2013 deren Lohnkosten etwa <a title=\"Spiegel Online\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/0,1518,705681,00.html\">0,4% des Verkaufspreises<\/a> ausmachen. Der urspr\u00fcngliche Idealismus, der die Outdoorbranche in ihren Anfangszeiten noch kennzeichnete, scheint zu schwinden. Dass es eine teils aus dem Ufer laufende Kommerzialisierung gibt, schreibt selbst das Magazin \u201eoutdoor markt\u201c. <a title=\"Focus\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/reisen\/urlaubstipps\/wandern\/outdoor-spezial-essay-jetzt-aber-mal-langsam_aid_430820.html\">Sven Goergens<\/a> bringt es auf den Punkt: <em>\u201eDas Hadern mit dem eigenen Erfolg ist bezeichnend f\u00fcr ein Gesch\u00e4ft, das anfangs ein paar Individualisten und Abenteurern \u00dcberlebensausr\u00fcstungen zusammenstellte, bei dem aber mittlerweile jeder zweite Rentner Speed-Pacer-Vario-Stocks einkauft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die unstillbare Nachfrage jedoch nicht nur einem neuen Umweltbewusstsein verschuldet, sondern gleichzeitig Teil eines gesellschaftlichen Trends hin zur Leistung. Durch immer kleinere und praktischere Gadgets k\u00f6nnen wir selbst beim morgendlichen Joggen alles messen: Distanz, Schrittzahl, verbrannte Kalorien \u2013 und online mit anderen konkurrieren. <em>\u201eAus den Deutschen, einst schw\u00e4rmerische Naturliebhaber mit Pfadfinder-Schal oder Wandervogel-Schlapphut, sind Naturbezwinger geworden, ehrgeizige Amateure, die sich Leistungssport verordnen\u201c<\/em>, schreibt Goergens weiter. Es geht also nicht um Entspannung, sondern um Anspannung. Um Beschleunigung anstatt Entschleunigung. Ein Wertewandel ist somit letztlich nicht nur in der Industrie, sondern auch bei ihren Kunden zu erkennen.<\/p>\n<p>Doch sp\u00e4testens seit der OutDoor 2010 beginnt sich eine positive \u00c4nderung abzuzeichnen: Rolf Schmid, CEO der Mammut-Gruppe, wird <a title=\"Focus\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/reisen\/urlaubstipps\/outdoor-spezial-oekologisch-und-sozialvertraeglich_aid_548969.html\" target=\"_blank\">im Focus<\/a> mit den Worten zitiert, dass eine solche Wertediskussion l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig sei. Die Schweizer Firma Mammut ist aus der Outdoorbranche das erstes\u00a0Mitglied der <a title=\"Fair Wear Foundation (FWF)\" href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/11\/27\/fair-wear-foundation\/\">Fair Wear Foundation<\/a>, die sich weltweit f\u00fcr sozialvertr\u00e4glichere Arbeitsbedingungen einsetzt und einen guten Ruf genie\u00dft, nicht weil sie sich f\u00fcr die Einhaltung von lokalen Mindestl\u00f6hnen einsetzt, sondern vor allem weil sie sich f\u00fcr Existenzl\u00f6hne engagiert (im Gegensatz, zum Beispiel, zur <a title=\"Fair Labor Association (FLA)\" href=\"http:\/\/www.fairlabor.org\/fla\/\" target=\"_blank\">Fair Labor Association<\/a>). Der Fair Wear Foundation sind 2010 auch die deutschen Firmen Jack Wolfskin, Sch\u00f6ffel und VAUDE beigetreten, die damit einen notwendigen Schritt zu mehr Transparenz machen. Insbesondere VAUDE hebt sich in letzter Zeit positiv von der Konkurrenz durch besonders gro\u00dfes soziales und \u00f6kologisches Engagement ab. Mit der aktuellen Kampagne in Zusammenarbeit mit dem WWF, dem DAV und der FWF im Rahmen des <a title=\"Internationales Jahr des Waldes\" href=\"http:\/\/www.wald2011.de\/\">\u201eInternationalen Jahr des Waldes\u201c<\/a> kann jeder Outdoorsportler\u00a0ein <a title=\"Act.Vaude.com\" href=\"http:\/\/www.act.vaude.com\">\u201eGr\u00fcnes Vorbild\u201c<\/a> werden. F\u00fcr den Versuch, Nachhaltigkeit dar\u00fcber hinaus mit der VAUDE \u201eGreen shape\u201c-Kollektion nicht als Wettbewerbsnachteil, sondern als echte Chance f\u00fcr Wandel offensiv zu nutzen, verdienten die Obereisenbacher Unterst\u00fctzung. Gleiches gilt f\u00fcr die Tatsache, dass sich das Familienunternehmen nicht davor scheut, \u00fcber ihre <a title=\"Vaude Stellungnahme\" href=\"http:\/\/www.soq.de\/Magazin\/Artikel\/VAUDE-Stellungnahme-zum-Artikel-in-Spiegel-Online\">Produktion in der Milit\u00e4rdiktatur Myanmar<\/a> offen zu diskutieren. Beweise f\u00fcr den Erfolg dieser Strategie sind die Markteinf\u00fchrungen der ersten <a href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/11\/16\/bluesign\/\" target=\"_blank\">bluesign<\/a>-zertifizierten\u00a0Zelte und Rucks\u00e4cke weltweit.<\/p>\n<p><em>\u201eSeit zwei bis drei Jahren fragen die Kunden gezielt nach den Produktionsbedingungen (\u2026) und strafen die Firmen knallhart ab, die sich nicht ausreichend darum k\u00fcmmern\u201c<\/em>, berichtet Jens Kreklau von Globetrotter dem<a title=\"Spiegel Online\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/0,1518,705681,00.html\"> Spiegel<\/a>. Es geht also auch anders. Es geht vorw\u00e4rts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Einleitung zum hugsforhikers-Spezial \u00fcber Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche wurde bereits darauf hingewiesen, dass nahezu alle Outdoormarken nicht nur mit einem besonders umweltfreundlichen und sozial verantwortungsbewussten Image werben, sondern von einem allgemein gestiegenen Interesse an Nachhaltigkeit und Umweltschutz erheblich profitieren. 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