{"id":768,"date":"2011-08-20T01:39:54","date_gmt":"2011-08-19T23:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/?p=768"},"modified":"2011-09-08T13:54:55","modified_gmt":"2011-09-08T11:54:55","slug":"der-eigene-horizont","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/2011\/08\/20\/der-eigene-horizont\/","title":{"rendered":"Der eigene Horizont und das Brett vor&#8217;m Kopf &#8211; Ein Morgen in Burkina Faso"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"222\" height=\"235\" class=\"alignright size-full wp-image-813\" title=\"Burkina Faso\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/images\/map_burkinafaso.png\" alt=\"Burkina Faso\" \/>Nichts hilft mehr, den eigenen Horizont zu erweitern, als Reisen. Als Grenzen zwischen L\u00e4ndern zu \u00fcberschreiten, um die eigenen Grenzen kennen zu lernen. Sie zu ertasten, zu erf\u00fchlen, riechen und schmecken. Und zu \u00fcberwinden. Den vermeintlichen Dualismus zwischen Heimat und Ferne, zwischem Vertrautem und Fremdem, haben die meisten Reisenden vermutlich nie wirklich verstanden. Viele sind daher auf der Suche nach Momenten, die eigenen Horizonts mit einem Schlag erweitern. Und sie zwingen, Selbstverst\u00e4ndliches neu zu denken. Ich erinnere mich genau: Fr\u00fch Morgens, auf einem Schulhof mitten in der westafrikanischen Steppe. Das war so ein Moment.<!--more--><\/p>\n<p>Es ist der erste Morgen nach meiner Ankunft in N\u00e9vri, einem kleinen Dorf in Burkina Faso. Da stehe ich also auf der kleinen Beton-Veranda vor dem Klassenzimmer, in dem ich geschlafen habe, gerade frisch aus dem Schlafsack gesch\u00e4lt. Die Z\u00e4hne sind geputzt und mein Minzgeschmack-L\u00e4cheln wird fr\u00f6hlich erwidert von einem Dutzend junger Schulkinder, die vor der Schule stehen und mich einfach nur anstarren, mich beobachten. Den Fremden. Ich winke. Bonjour, ca va? Gro\u00dfes Gekicher. Keiner versteht hier ein Wort Franz\u00f6sisch, die Kinder sprechen Gurunsi oder Mossi. Egal, Freundlichkeit ist eine Weltsprache. Wie jeden Morgen nach dem Z\u00e4hneputzen greife ich in meine Hosentasche und nehme meine Tube Sonnencreme in die Hand, dr\u00fccke die wei\u00dfe Fl\u00fcssigkeit aus Ihr heraus und schmiere mich \u00fcberall damit ein. Ich reibe sie in mein Gesicht, auf die Arme, Beine, den Nacken, auf die ganze Haut. Die westafrikanische Sonne ist gnadenlos, da will keine Stelle ungesch\u00fctzt bleiben. Als ich wieder aufblicke, schaue ich in perplexe Gesichter mit heruntergeklappten Kinnladen und weit aufgerissenen Augen. Keiner lacht. Es sind Gesichter zwischen blankem Entsetzen und vollkommener Ratlosigkeit. Etwas verwundert und verunsichert, stehe ich da, wie eingefroren. Dann traut sich ein kleiner Junge nach vorne. Er l\u00e4sst den Fu\u00dfball fallen, den er sich unter den Arm geklemmt hat, fasst all seinen Mut, und geht etwas z\u00f6gerlich auf mich zu. Einen Moment steht er vor mir und schaut noch einmal ganz genau hin. Dann ber\u00fchrt er meine Haut, erst z\u00f6gerlich, doch dann beginnt er an ihr zu reiben. Nichts passiert. Er schaut mir in die Augen, f\u00e4ngt laut an zu lachen und rennt zur\u00fcck zu den anderen Schulkindern. Das Gel\u00e4chter ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Einen Moment muss ich ausgesehen haben wie der Esel, der mich beinahe nach dem Aufstehen vom Brunnen vertrieben h\u00e4tte. Aber dann d\u00e4mmert es mir. Da steht ein wei\u00dfer Mann und schmiert sich von oben bis unten mit wei\u00dfer Farbe ein. Ich beginne zu verstehen, dass vermutlich viele der Kinder gerade nicht nur zum ersten Mal aus n\u00e4chster N\u00e4he einen Wei\u00dfen gesehen haben, sondern nat\u00fcrlich auch keine Sonnencreme kennen. Klar ist das lustig. Ich reibe ebenfalls an meiner Haut, um zu beweisen, dass die wirklich wei\u00df ist, auch ohne wei\u00dfe Farbe. Und weil wir gerade dabei sind, \u00fcberpr\u00fcfe ich lieber auch die Haut einiger Schulkinder.<br \/>\nDamit w\u00e4re das Thema Hauptfarbe bereits am ersten Morgen gekl\u00e4rt. Eigentlich ganz unkompliziert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/photography\/burkinafaso\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-774\" title=\"Burkinabe\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf02.jpg\" alt=\"Burkinabe\" width=\"640\" height=\"480\" border=\"0\" srcset=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf02.jpg 640w, http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf02-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/photography\/burkinafaso\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-778\" title=\"Burkina Faso\" src=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf011.jpg\" alt=\"Burkina Faso\" width=\"640\" height=\"427\" border=\"0\" srcset=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf011.jpg 640w, http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/bf011-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mehr Fotos aus Burkina Faso gibt es <a title=\"Burkina Faso\" href=\"http:\/\/hugsforhikers.com\/blog\/photography\/burkinafaso\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts hilft mehr, den eigenen Horizont zu erweitern, als Reisen. 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