Testbericht: Therm-A-Rest NeoAir (ultraleichte Isomatte)

Therma-A-Rest NeoAirMit der NeoAir versucht sich Therm-A-Rest an der eierlegenden Wollmilchsau: Eine ultraleichte aufblasbare drei Jahreszeiten-Thermomatte mit kleinstem Packmaß und größtem Komfort. Dank einer innovativen Konstruktion ist ein großer Wurf gelungen, der den Markt verändert hat.

Eckdaten, Konstruktion und Material

  • Konstruktion: aufblasbare Isomatte mit Rippenkonstruktion und R2-Barrier für bessere Isolation
  • Material: Nylon
  • R-Wert: 2,5
  • Dicke: 6,3cm
  • Größe (Regular): 51 x 183cm
  • Packmaß (Regular): 23 x 10cm
  • Gewicht (Regular): 410g (Herstellerangabe)
  • Hergestellt in: Irland

Testbericht

Die Therm-A-Rest NeoAir, momentan die leichteste Luftmatratze am Markt, schafft durch eine innovative Konstruktion (Therm-A-Rest meldete zwei neue Patente für die Entwicklung der NeoAir an) einen seltenen Spagat zwischen ultraleichter Ausrüstung und Komfort. Das geringe Gewicht kann durch das Weglassen der herkömmlichen Isolationstechnologien (in der Regel ein innerer Schaumkern) verwendet werden: Die NeoAir besteht zu 100% aus Nylon, auf Faser- oder Daunenisolierungen wurden verzichtet. So kann sie auf ein geringeres Volumen einer 1-Liter-Flasche zusammengepackt werden. Das bedeutet auch, dass man sich während des Aufblasens weniger Sorgen um die Feuchtigkeit der Atemluft machen muss. Gleichzeitig erreicht die Matte starken R-Wert von 2,5, der locker drei Jahreszeiten abdeckt. Das schafft sie, indem sie Körperwärme nach oben und Bodenkälte nach unten reflektiert. Thermo-Luftmatratzen mit herkömmlicher Daunen- oder Faserisolierung erreichen in der Regel eine geringere Wärmeeffizienz. Für gefrorenen Grund ist sie jedoch nicht geeignet.
Therma-A-Rest NeoAir
Therma-A-Rest NeoAir
Eine weitere innovative Entwicklung betrifft die Luftkammern: Durch eine besondere Rippenkonstruktion wird die NeoAir von innen stabilisiert, was den Liegekomfort erhöht. Mit dem Liegekomfort ist aber ein Thema angesprochen, dass häufig für kritische Stimmen sorgt. Denn dem Nylon der NeoAir wird nicht selten vorgeworfen, zu laut zu rascheln und zu knistern. Was nützt dann der beste Schlafkomfort, wenn der Wanderpartner einen nach jeder Drehung anschnautzt? Spaß beiseite, das Knistern der NeoAir ist zwar definitiv ein Thema, das immer wieder angesprochen wird, gleichzeitig aber unmöglich objektiv zu bewerten ist. Je voller die Matte aufgeblasen ist, desto weniger knistert sie. Beim Auspacken und Aufblasen knistert sie mehr als während des Liegens. Ich persönlich höre das Knistern zwar auch, wirklich stören tut es mich aber nicht. Ich habe das Knistern aufgenommen, sodass sich jeder selbst ein Bild machen kann. Zu hören ist während den ersten rund 15 Sekunden wie ich eine voll aufgeblasenen NeoAir mit meinen Füßen malträtiere, etwa ab der Hälfte habe ich mich auf die Matte gelegt und mich relativ stark bewegt. Aber hört selbst:
[audio:http://hugsforhikers.com/audio/neoair.mp3]

Beim Testen der Matte selbst sind mir darüber hinaus noch zwei Dinge aufgefallen, die zwar nicht ohne Weiteres als Kritikpunkte durchgehen, ich aber dennoch für erwähnenswert halte: Zum einen ist der für das Aufblasen der Matte notwendige Aufwand nicht unterschätzen. Das klingt für viele sicherlich übertrieben, aber ich habe für das Aufblasen der NeoAir schon merklich länger und mehr Anstrengung gebraucht als für meine ProLite4 (beide in Größe regular). Zum anderen hat mich beim Testen der NeoAir aufgrund des dünnen Materials nie die Angst vor Materialschaden ganz verlassen. Einige nehmen daher zusätzlich eine 5mm Schaumstoffmatte mit, die dann jedoch wieder mehr Gewicht und mehr verbrauchtes Packvolumen bedeutet. Für mich persönlich sind das jedenfalls zwei Gründe, warum mir die Therm-A-Rest Z-Lite so viel Spaß macht. Gleichzeitig muss aber angemerkt werden, dass in der Blogosphäre und in einschlägigen Foren nicht überdurchschnittlich viele Testberichte erscheinen, die sich über auf Tour entstandene Materialschäden beschweren.
Positiv muss noch hervorgehoben werden, dass die NeoAir aufgrund einer besonderen Beschichtung auf den meisten Zeltböden auch bei Schräglage kaum verrutschen wird.
Therma-A-Rest NeoAir

Preis-Leistungsverhältnis

Die NeoAir ist eine echte Innovation (Markteinführung 2009) und damit auch eine echte Investition. Daher macht ein Kauf vor allem dann Sinn, wenn man auch insgesamt eine leichtgewichtige Trekkingausrüstung sein Eigen nennen kann. Dann sollte man sich fragen, welches Modell man braucht. Muss es die reguläre Größe sein? Für Sommer-Wanderungen reicht sicherlich auch die kurze Variante, und die Füße können auf den Rucksack. Aber will man das? Das muss jeder selbst wissen.

Für diejenigen, die den happigen Preis durch die innovative Konstruktion nicht gerechtfertigt finden, sei gesagt, dass die Matte immerhin nicht nur mit einem eigenen (etwas zu großen) Packsack, sondern auch mit Flickmaterial geliefert wird. Das war offenbar bis vor kurzem nicht der Fall und wurde angesichts des ohnehin deftigen Preises zu Recht sehr kritisiert. Das Fast & Light Repair Kit kostet einzeln immerhin rund zehn Euro.

Wie in der Einleitung schon angedeutet hat Therm-A-Rest mit der NeoAir den Markt für Isomatten entscheidend verändert: Zum ersten Mal hat ein ultraleichter Ausrüstungsgegenstand den schwierigen Sprung in den Konsum-Mainstream geschafft. Die Konkurrenz (z.B. Exped) hat bereits nachgezogen.

Anmerkungen und Tipps

Willo von den Outdoorseiten hat einen interessanten Vergleich über die NeoAir mit der neuen, dank eines R-Wertes von 4,9 für vier Jahreszeiten geeigneten (und rund 140g schwereren) NeoAir Trekker geschrieben. Darüber hinaus hat Carsten auf seinem Blog Fastpacking einen schönen Vergleich der NeoAir mit anderen Matten, die über ähnliche Eigenschaften (Gewicht, Komfort, Packmaß etc.) verfügen veröffentlicht und beschreibt zudem anschaulich, wie man solche ultraleichten Luftmatratzen am besten einsetzt. Und auf Trailblaze ist zu lesen, wie die Dicke der Matte in einem Tarp für unerwartete Probleme gesorgt hat.
Eine letzte Anmerkung: In der mitgelieferten Bedienungsanleitung wird explizit darauf hingewiesen, die Matte nie ohne Packsack im Rucksack zu verstauen oder auf spitzem oder scharfen Untergrund zu verwenden.

Fazit

  • Fast unschlagbares Gewicht-Komfort-Verhältnis: Sehr leicht, sehr bequem
  • Sehr kleines Packmaß
  • Hoher Preis
  • Material erfordert mehr Rücksichtnahme als bei herkömmlichen Matten

Lighthiker hat auf seinem Blog ein Video zur NeoAir veröffentlicht, indem er seine ersten Eindrücke schildert und bei dem auch das Rascheln zu hören ist: