Testbericht: Hanwag Badile GTX (leichter Bergschuh)

Eine der interessantesten Fragen beim Thema (ultra-) leichter Ausrüstung ist die nach den Schuhen. Denn nicht nur das Gewicht, sondern vor allem Gesundheit und Sicherheit sind hier wichtige Faktoren. Einen hervorragenden Kompromiss zwischen Leichtigkeit und stabilen Knöcheln bietet der Hanwag Badile Mid GTX.

Eckdaten, Konstruktion und Material

  • Konstruktion: Halbhoch, Kategorie B, vorgezogene Schnürung mit LoopLock
  • Einsatzbereich: Zustieg, Klettersteig, Tagestouren in alpinem Gelände
  • Material außen: Sportvelours, Cordura Rocket (100% Polyamid)
  • Material innen: Gore-Tex
  • Gewicht in 7,5: 440g (Herstellerangabe)
  • Hergestellt in: Deutschland

Testbericht

Ende letzten Jahres gab es für meine Füße gleich zwei Neuheiten: Einen Hanwag (bisher nur Meindl) und Gore-Tex (bisher nur Leder). Bergschuhe von Hanwag sind insgesamt etwas schmaler geschnitten als Meindl. Die leichteren Modelle, wie der Badile, unterscheiden sich zudem durch den Fersen-Bereich. Während Meindl-Schuhe relativ gerade geschnitten sind, arbeitet Hanwag hier mit einem etwas krümmeren Leisten (die Vierkirchener selbst nennen das ihre “ergonomische Fersenbox”). Was für den Träger besser ist, kann nur der Träger selbst entscheiden. Hier gibt es für einen Testbericht kein gut oder schlecht.

Der Hanwag Badile Mid GTX kam in den unterschiedlichsten Bedingungen zum Einsatz: Bei Schnee, Regen, Matsch, beim Zustieg und bei Tagestouren, auf Feldwegen und am Fels. Selbst beim Schneeschuhgehen, wofür der Schuh definitiv nicht ausgelegt ist, machte er eine gute Figur. Bei -25°C Außentemperatur im Februar liegt aber eindeutig die Grenze des Wohlbefindes, sofern man nicht wirklich konstant in Bewegung bleibt. Mit anderen Worten: Der Badile kommt der Eier legenden Wollmilchsau relativ nahe – mit Abstrichen. Das ist daher bemerkenswert, weil er als Nischenschuh (Zustiege, Klettersteige) sicherlich nicht als solche konzipiert war.

Die größte Stärke des Schuhs ist zweifellos sein geringes Gewicht. In Größe 8 bleibt das Paar weit unter 1kg. Das ist daher besonders wichtig, weil das getragene Gewicht am Fuß von der körperlichen Belastung her etwa dem fünffachen Gewicht am Rücken entspricht. Eines der sinnvollsten Ziele der positiven Gewichtsspirale leichter Ausrüstung ist es daher, am Ende auch bei leichtem Schuhwerk anzukommen – ohne die Gesundheit der Knöchel oder der Fußbetten bei längeren Trekkingtouren zu riskieren. Wie bereits erwähnt, schafft der Badile diesen Kompromiss hervorragend. Der Schuh ist am Fuß tatsächlich spürbar leicht, sitzt aber gleichzeitig durch die vorgezogene Schnürung und den halbhohen Schaft sicher am Fuß. Die fehlenden Ösen sparen nicht nur Gewicht, sondern verhindern auch störende Druckstellen. Durch das hauseigene LockLoop-System wird zudem eine Zweizonenschnürung ermöglicht. Der Knöchel wird eindeutig weniger stark gestützt als bei schweren B-Modellen (da der Schaft zugunsten der leichten Klettereien insgesamt etwas weicher gehalten ist), aber mehr als man bei dem geringen Gewicht vermuten würde.

Die Vibram Climbing-Sohle ist ebenfalls positiv hervorzuheben. Gerade auf Klettersteigen und Kraxeleien auf alpinen Wegen wie dem korsischen GR20 spielt die Sohle ihre Stärken perfek auf. Der Tritt ist präzise und auf den Kanten steht man stabil. Da der Schuhe im Zehenbereich mit der Vibram Climbing-Zone etwas flach und fest ist, verliert er gefühlt mit ansteigender Dauer der Tour natürlich etwas an Komfort – gerade bei langen und steilen Abstiegen.

Ob Gore-Tex die richtige Wahl für einen Schuh ist, wage ich dennoch zu bezweifeln. Der Schuh hat zwar im Tiefschnee und bei strömendem Regen absolut dicht gehalten (obwohl ich nach der letzten Tour glaube einen kleinen Wassereinbruch an den Zehen festgestellt zu haben, das muss ich noch beobachten), das gute Fußklima eines Schuhs ohne wasserdichte Membran wird Gore-Tex in meinen Augen nicht erreichen können, auch wenn möglicherweise teilweise damit geworben wird. Aber auch das ist letztlich eine Geschmacksfrage. Mit der entsprechenden Imprägnierung sind Lederschuhe aber in jedem Fall auch zuverlässig wasserdicht (Synthetikschuhe ohne wasserdichte Membran haben für meinen Geschmack oft zu viele Nähte und Stilemente, was das Imprägnieren schwieriger macht). Wird der Schuh dann trotzdem nass, trocknet Leder am schnellsten.

Anmerkungen und Tipps

Im neuen Modell wurde die Schnürung etwas überarbeitet (die Fotos zeigen das alte Modell). Sie läuft nun durch Nylonrundsenkel und soll etwas leichtgängier sein. Farblich unterscheiden sie sich ebenfalls (im neuen Modell: Schwarz-Weiß, im alten: Grau).

Es gibt den Badile auch in einer tief geschnittenen Variante: Badile Low GTX.

Fun Fact: Wusstet ihr, dass Lorenz Wagner von Lowa und Hans Wagner von Hanwag Brüder sind?

Preis-Leistungsverhältnis

Dafür, dass der Badile offiziell “nur” ein Approachschuh ist, ist er recht teuer. Sein geringes Gewicht trotz des hohen Schafts macht ihn in diesem Einsatzbereich jedoch zu etwas Besonderem.

Öko-Infos zum Hersteller

  • Ökologisch: Informationen über ökologische Verantwortung bei Hanwag findet man nur sporadisch. Es wird nach eigenen Angaben in über 20 Modellen zertifiziert CO2-neutral hergestelltes Leder verarbeitet. Im Badile ist das nicht der Fall.
  • Sozial: Über die Produktionsbedingungen in Bayern und anderswo gibt es leider nur wenige Informationen. Immerhin engagiert sich Hanwag bei einigen Umeltinitiativen in der Region.

Fazit

  • Sehr guter Kompromiss zwischen Gewicht und Stabilität
  • Sohle und Schuh sind sehr gut aufeinander abgestimmt
  • Die Fersenbox ist zu Beginn etwas ungewöhnlich, verursacht aber keine Blasenbildung o.ä.. Hier muss man einfach probieren, ob es passt.

4 Kommentare zu Testbericht: Hanwag Badile GTX (leichter Bergschuh)

  1. Paul says:

    Hi, Danke für den nützlichen Bericht zu diesem unter-kommentierten Schuh, der ja zur Zeit als Auslaufmodell recht günstig zu haben ist. Ich wollte Dich fragen, wie Du es einschätzt, mit dem Schuh auch mehrtägige Wandertouren mit relativ viel Gepäck (ca. 20kg inkl. Verpflegung), wo man dann später zwischendurch vom Lager aus wieder etwas klettert, zu machen? Denn ich würde den Badile gerade wegen seiner Wollmilchqualitäten und auch des Gewichts als einen-für-alles kaufen und nutzen. Oder wäre das dann doch zu unbequem, was meinst Du? Grüßle, der Paul

  2. fabian says:

    Hi Paul, der Schuh ist für mehrtägige Wandertouren in meinen Augen total brauchbar, aber bei 20kg wird es glaube ich schon sehr grenzwertig. Das ist aber schon sehr subjektiv… Ganz ehrlich: Wenn dein Rucksack so schwer ist brauchst du nicht unbedingt einen leichten Schuh. Der Schuh muss eher zum Rest der Ausrüstung passen. Die Frage ist einfach, ob man sich dann auf den eigenen zwei Beinen noch wohl fühlt. Aber so richtig fest um die Ferse ist der Badile bei 20kg am Rücken sicher nicht mehr.

  3. Paul says:

    Hallo Fabian,
    toll, Danke für Deine Einschätzung! So ähnlich hatte ich mir das etwa selber gedacht.. Hmm.. ich werd nochmal in mich gehen, und probe-bestellen schadet ja auch nie. Vielen Dank Dir auf jeden Fall!

  4. Kal says:

    Hi, ich hatte diesen Schuh auf dem GR20 dabei. Mein Rucksack war ca. 15kg schwer und ich muss sagen die Stiefel haben sich wirklich sehr gut geschlagen! Würde sie jederzeit wieder mitnehmen.

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