Testbericht: JetBoil Sol Ti (ultraleichter Titankocher)

Jetboil Sol TiBei allen, die gerne alleine mit dem Zelt unterwegs sind, ist die Rucksack-Küche oft platzraubend und schwer. Wer unterwegs keine Gourmet-Gerichte zubereitet und dazu bereit ist in leichte Ausrüstung zu investieren, kann einiges an Gewicht im Rucksack sparen. Der SOL Ti von Jetboil ist hierfür die perfekte Lösung.

Eckdaten, Konstruktion und Material

  • Konstruktion: Systemkocher mit Wärmetauscher und Piezo-Zündung
  • Materialien: Topf und Wärmetauscher aus Titan, Plastik-Halterung, Neoprenhülle
  • Volumen: Ca. 0,8 Liter, eher weniger
  • Effizienz: 0,5 Liter in etwas über zwei Minuten, rund 12 Liter pro 100g Kartusche
  • Gewicht (einzeln): 135g (Topf mit Deckel), 141g (Brenner), 34g (Plastiktasse), 27g (Kartuschenhalterung)
  • Gewicht (gesamt): 337g

Testbericht

Schon beim Anblick des Titantopfes wird klar: Der SOL Ti ist keine vollwertige Küche – und will es auch nicht sein. Seine Daseinsberechtigung ist möglichst leicht, schnell und effizient Wasser zu erhitzen. Lässt man die Plastiktasse (die mehr Schutz für den Brenner ist als ein tatsächlich brauchbarer Becher) und den Kartuschenfuß zu Hause, hat man einen vollwertigen Outdoor-Gaskocher für deutlich unter 300g im Rucksack, der so effizient kocht, dass darüber hinaus noch zusätzliches Gewicht gespart werden kann, da weniger Brennstoff benötigt wird. Außerdem wird Platz gespart, da sich alle Teile des Kochers mitsamt einer 100g Kartusche im Topf verstauen lassen.

Jetboil Sol Ti

Der SOL Ti hat mich auf dem GR20 erstmalig begleitet. Ich habe mich lange vor der Tour entschieden nicht selbst zu kochen, sondern auf Expeditionsnahrung zurückzugreifen. Dementsprechend habe ich im Voraus versucht meinen Gasbedarf grob zu berechnen, da ich mit dem Kocher ausschließlich Wasser für Abendessen und Tees erhitzen wollte (für Frühstück und Mittagessen haben mir Brot und Snacks gereicht). Auf den 15 Etappen hatte ich eine 250g Coleman-Kartusche im Gepäck, die mir tatsächlich gereicht hat. Der Kocher steht damit sinnbildlich für die Grundidee (ultra-) leichter Ausrüstung: Effizienz. Der Grund hierfür liegt in der cleveren Integration von Windschutz und Wärmetauscher. Gleichzeitig ist das jedoch auch möglicherweise der einzige echte Schwachpunkt des SOL Tis: So richtig sturmfest ist er nicht, man kann ihn selbst auf hoher Flamme relativ einfach auspusten.

Jetboil Sol Ti

Das Handling ist gut, wenn auch nicht perfekt. Die Hülle aus Neopren ist zu dünn um die Hände vor Hitze zu schützen, die Isolierwirkung für den Topf dürfte nur minimal sein. Gleichzeitig sitzt sie nicht fest genug, sodass der angenähte Griff nicht als Henkel dienen kann da der Topf schlicht herausrutschen würde. Dementsprechend habe ich direkt nach dem Wasser kochen immer das komplette System (heißt: inklusive Brenner am Topf samt angeschraubter Kartusche) bewegt. Den mit heißem Wasser gefüllten Topf vom Brenner abzudrehen ist für geübte Finger aber auch kein Problem. Etwas unsanft muss die Kartuschenhalterung angebracht werden, die danach dafür aber auch ausreichend fest sitzt. Einzig der Plastikbecher ist etwas merkwürdig. Für Tee oder Mahlzeiten war er mir zu klein und das Plastik zu wenig isolierend. Ich hatte ihn also lediglich als Schutz für den Brenner gegen Stöße im Rucksack dabei, und würde ihn das nächste Mal wohl zuhause lassen.

Auch an der Verarbeitung ist insgesamt nichts auszusetzen. Dazu trumpft der SOL Ti mit einem wichtigen Detail auf: Ein integrierter Druckminderer sorgt dafür, dass der Brenner auch bei niedrigen Temperaturen oder fast leeren Kartuschen weiterhin effizient arbeitet. Damit eignet sich der Systemkocher nicht nur für Trekkingtouren, sondern vor allem auch für das Schneeschmelzen in höheren Lagen. Jetboil bietet hierfür zudem extra ein Hängesystem für Zelte an.

Der Blick über den Tellerrand

Hendrik schreibt in seinem Testbericht von einem Gasverbrauch von 4g pro halben Liter Wasser. Bei Nielsen sind es 9g pro Liter, also sehr ähnliche (und sehr gute) Werte, die auch ich bestätigen kann. Derart detaillierte Angaben sind zwar interessant, der Verbrauch ist aber maßgeblich von der Höhe über NN, der Temperatur, sowie (wenn auch weniger beim SOL Ti) vom Füllstand der Kartusche abhängig.

MSR bietet mit dem Reactor Stove ein ähnliches Konzept mit etwas mehr Füllmenge an. In den Alu-Topf passen ganze 1,7 Liter, also rund das Doppelte im Vergleich zum SOL Ti.

Preis-Leistungsverhältnis

Die Aussage wird langsam langweilig, aber auch hier trifft sie zu: Viel Geld für etwas, das man auch sehr günstig bekommen kann. Der Nutzen (Gewicht beim Kocher selbst und beim Gas einsparen) ist aber gegeben und für mich sehr wertvoll. Ich koche ohnehin nie richtige Mahlzeiten, also verzichte ich auch auf kaum Komfort wenn ich Töpfe zuhause lasse.

Öko-Infos zum Hersteller

  • Ökologisch: Wie so viele andere Marken auch kommuniziert Jetboil keine Informationen über ihr mögliches Engagement in Sachen Nachhaltigkeit an den Endverbraucher – dafür gibt es Tadel. Loben muss man die Amerikaner aus Manchester, New Hampshire aber für den CRUNCHIT: Ein kleines Werkzeug das leere Butan-Kanister recycelbar macht:

Fazit

  • Effizient
  • Sehr leicht
  • Perfekte Größe für eine Person
  • Teuer

2 Kommentare zu Testbericht: JetBoil Sol Ti (ultraleichter Titankocher)

  1. Patrik says:

    Ich habe mir gerade ausführlich deinen Artikel hier durch gelesen. Jetzt bin ich gerade echt am überlegen ob ich für die nächste Tour auch in so einen Kocher investiere. Wir hatten jetzt in Schweden nur einen simplen “aufschraub Brenner + 2 Gaskartuschen” mit. Dafür haben wir zusätzlich zwei Töpfe mit geschleppt und die Gasausbeute war echt mies. Meine Erkenntnis von der Tour in Schweden: 0,8 l sollten vollkommen reichen, denn mehr Wasser haben wir auch nie warm gemacht! Und nächstes mal kommt nur Outdoorfood mit. Denn ich glaube das Maximum für ein Essen waren 400ml. Dann reicht es bei der Topfgröße gleich für zwei Essen. :) Danke für den Artikel Fab!

  2. Patrik says:

    Anmerkung: Irgendwie lässt sich das Video am Ende des Artikel bei mir nicht abspielen, bzw. das File wird nicht gefunden.

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