Testbericht: Fizan Compact (Trekkingstock)

Im ersten Testbericht auf hugsforhikers wird der angeblich leichteste Trekkingstock der Welt, der Fizan Compact, unter die Lupe genommen. Im letzten Jahr kamen die Stöcke auf dem GR20 von Calenzana nach Vizzavona zum Einsatz und konnten dort ausgebiebig unter besten Bedingungen getestet werden. Aktuell gibt es die Trekking Poles übrigens versandkostenfrei bei den Bergfreunden!
Fizan Compact

Eckdaten, Konstruktion und Material

  • Material: Aluminium alloy 7001
  • Bauart: 3 Segmente (18, 16, 14mm Ø), stufenlos verstellbar (58-132cm)
  • Verschluss: Flexy Locking-System (Drehdübel)
  • Griff: EVA, Handschlaufe aus Nylon und Neoprenschaum
  • Spitze: Carbide Hartmetall-Flexspitze
  • Teller: 50mm, wechselbar
  • Gewicht: 158g pro Stock (Herstellerangabe, 163g bei fastpacking.de, 168g bei ausgeruestet.com)
  • Hersteller: Fizan (1946 gegründet, Firmensitz in Rosa, Italien)
  • Produziert in: Italien
  • Artikellink des Herstellers: Fizan.it
  • Testperson: 73kg, 1,75m

Testbericht

Die wichtigste Frage gleich vorweg: Sind die Trekkingstöcke trotz des geringen Gewichts für einen längeren Einsatz robust genug? Jain. Für mich ja. Für größere, schwerere Wanderer eher nein. Aber hier kommt es auf die Tour und die Bedingungen an. Ich hatte den Fizan Compact auf dem GR20 in den korsischen Bergen im Einsatz und bin absolut begeistert. Das geringe Gewicht hat mir mit zunehmender Wegdauer immer mehr Spaß gemacht (dazu sei angemerkt dass meine restliche Ausrüstung ebenfalls relativ leichtgewichtig ist). Ich hatte nie Bedenken die Stöcke auch mit Rucksack (~11kg) voll zu belasten. Einen einzelnen Stock würde ich mit dem Gewicht allerdings nicht belasten wollen.
Der fehlende Segmentschutz ist mir zu keinem Zeitpunkt negativ aufgefallen. Auch das Arretieren der Segmente per Dübel funktionierte bei mir immer einfach und hat zuverlässig gehalten. Einmal ordentlich zugedreht, rutscht da nichts mehr. Einzig auf ein bisschen Staub im Rohr muss unter Umständen mehr geachtet werden als bei anderen Modellen. Da der Stock insgesamt ein bisschen kürzer ist als andere Modelle fällt auch das Packmaß etwas geringer aus. Da am GR20 regelmäßig neben den Füßen auch die Hände zum Einsatz kommen, kamen mir die kurzen 58cm eingefahren entgegen. Der Stock sollte so ohne Weiteres an wirklich jeden Rucksack passen.
Am positivsten war ich jedoch von den EVA-Griffen überrascht. Das ist natürlich immer subjektiv, da der Griffkomfort erheblich von der Größe der eigenen Hand abhängt, aber im Gegensatz zum Testbericht von ausgeruestet.com sind mir die Griffe wirklich nicht zu groß (groß sind sie aber allemal), auch wenn ich eigentlich recht kleine Hände habe. Obwohl die Griffe auf den ersten Eindruck einen eher robusten Eindruck machen, sind Sie auch nach sechs Stunden noch absolut bequem. Vor allem die verstellbare Schlaufe mit Neoprenpolsterung ist besser als jede Handcreme. Im Gegegensatz zum etwa gleich teuren Einsteigermodell von Leki, dem Makalu Trail, den ich noch bei meiner Tour in Schottland benutzt hatte und der keine Schlaufenpolsterung hat, ist die Schlaufe des Fizan Compact natürlich ein nettes zusätzliches Feature. Das mag zimperlich klingen, aber ich habe den Unterschied definitiv gemerkt.
Fizan Compact

Preis-Leistungs-Verhältnis

Da mittlerweile ja scheinbar alles “ultraleicht” zu sein scheint, das nicht bei drei auf dem Baum ist: Der Fizan Compact ist vielleicht nicht unbedingt der leichteste Trekkingstock der Welt, aber in jedem Fall der leichteste teleskopierbare Trekkingstock aus Aluminium. Carbonstöcke, wie beispielsweise der Komperdell C2 Carbon Power Lock, sind zwar nochmal einige Gramm leichter, aber gleichzeitig auch weniger robust und eine ganze Ecke teurer. Gewicht wurde natürlich bei der Ausstattung (fehlende Blendmuffen), aber auch am Material (recht dünnes Aluminium) gespart. Insgesamt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich einer der besten Gründe für den Kauf eines Fizan Compact. Im ähnlichen Preisbereich gibt es vor allem Einsteigermodelle der bekannten Trekking-Pole-Marken, wie zum Beispiel den Leki Makalu Trail. Vergleicht man beide Modelle direkt, fällt sofort auf, dass der Fizan Compact optisch einen etwas labileren Eindruck macht. Das liegt hauptsächlich an den teilweise etwas grob geschnittenen EVA-Griffen, aber vor allem am fehlenden Blendmuffen an den Segmenten. Wie so oft täuscht aber der erste Eindruck, denn für den gleichen Preis bietet der Fizan Compact nicht nur leichteres Gewicht, sondern vielleicht den angenehmsten Griff in diesem Peissegment.
Außerdem positiv: Der Stock kommt direkt mit passenden Gummikappen für die Spitzen. Andere Hersteller verlangen dafür nochmal Geld.
Fizan Compact

Anmerkungen und Tipps

Wie nahezu alle Trekkingstöcke sollte auch der Fizan Compact zuhause immer auseinandergeschraubt aufbewahrt werden, um unnötige Korrosion zu vermeiden.
Wer seine Trekkingstöcke lieber anschauen als im Berg einsetzen möchte, sollte zu einem anderen Modell greifen. Da der Fizan Compact durchgehend lackiert ist, sieht man jeden Fels, den man überwandert hat.
Für sehr große Wanderer sei angemerkt, dass das mittlere Segment ganz ausgezogen nur noch zwei cm im oberen Segment steckt, was mir persönlich wohl etwas unwohl wäre. Ich habe aber noch keine negativen Erfahrungsberichte in dieser Hinsicht gehört.
Zwei weitere Testberichte aus der Outdoor-Blogosphäre gibt es bei ausgeruestet.com und bei fastpacking.de. (Nachtrag: Bei Hikinggear.de habe ich nun doch noch einen Testbericht gefunden, bei dem die Stöcke gebrochen sind. Aber wenn man zum Beispiel die Diskussion auf den Outdoorseiten verfolgt, findet man auch Berichte wo die Stöcke schon über 1000km lang tadellos halten.)
Bei den Bergfreunden gibt es auch das günstigere Einsteigermodell Fizan Trek und den Fizan Trek Antishock mit Dämpfung.

Fazit

  • Preis-Leistung (konkurrenzlos günstig)
  • Gewicht (leichtester Teleskopstock aus Aluminium)
  • Griff (angenehm und robust)
  • Für Schwere Wanderer: Stabilität (ein einzelner Stock nicht unbedingt voll belastbar)

Fizan Compact