Testbericht: MSR Hubba HP (leichtes 1-Personen-Zelt)

MSR Hubba HPNeben Rucksack, Isomatte und Schlafsack ist das Zelt der wichtigste Ausrüstungsgegenstand wenn es um Gewichtsreduzierung geht. Das Hubba HP ist das leichteste freistehende Doppelwandzelt von MSR und der ideale Kompromiss für alle, die keine Tarps benutzen aber dennoch leichtgewichtig unterwegs sein möchten.

Eckdaten, Konstruktion und Material

  • Zeltart: 1-Personen-Zelt für drei bis vier Jahreszeiten
  • Konstruktion: Freistehend, Doppelwand, ein Eingang/Apside, zusammenhängendes Y-Gestängebogen
  • Gewicht: 1360g (inkl. Innen-, Außenzelt, Gestänge etc.)
  • Packmaß: 51x15cm
  • Maße Innenzelt (LxBxH): 220x70x100cm
  • Material Außenzelt: 20Dx330T Ripstop Nylon 66, PU-/ Silikon-beschichtet, 1000mm Wassersäule
  • Material Innenzelt: 20Dx330T Ripstop Nylon 66, 20D Nylon-Micro Mesh
  • Zubehör: 6 Heringe, keine Zeltunterlage!

MSR Hubba HP on the GR20 MSR Hubba HP on the GR20

Testbericht

Der korsische Spätsommer hatte meteorologisch so einiges zu bieten. Anfang September trocknete eine Dürre- und Hitzeperiode die Insel regelrecht aus, ehe Mitte des Monats Rekordniederschläge die Bergbäche über die Ufer treten ließen. Innerhalb von zwei Wochen war der GR20, der Weitwanderweg der Korsika von Norden nach Süden durchquert, wegen Waldbrandgefahr und Überschwemmung kurzzeitig nicht begehbar. Da ich gerade in solchen Situationen vermutlich meine Schwierigkeiten mit einem Tarp hätte, aber trotzdem jedes Gramm an Ausrüstungsgewicht einsparen möchte, habe ich dieses Jahr das MSR Hubba HP für mich entdeckt. Nicht zuletzt aufgrund der mittlerweile doch ziemlich überfüllten Hütten eine gute Entscheidung.

Das Hubba HP ist genauso konstruiert wie die anderen Zelte der Hubba-Serie von MSR. Heißt: Es gibt nur einen Gestängebogen und nur einen Eingang mit Apsis. Da ich schon länger das Hubba Hubba besitze bin ich auch mit dem Hubba HP direkt bestens zurechtgekommen. Der Zeltaufbau geht schnell und unkompliziert, wofür ich besonders nach den längeren Etappen dankbar war (man braucht ja noch jede Menge Power um die Neo-Air aufzupusten…). Da sich die offiziellen Zeltplätze auf dem GR20 in teilweise extrem trockenen und steinigen Gebieten befinden, lege ich gerade letzten Sommer viel Wert auf ein freistehendes Zelt, denn auf Korsika braucht man die Zeltheringe oft gar nicht erst auszupacken. Insbesondere nicht die dem Hubba HP mitgelieferten von MSR, die mir bei steinigen Böden doch sehr zerbrechlich erscheinen. Kleine Anekdote: An einem Abend habe ich einen Hering beim Zeltaufbau zerbrochen, aber schon am nächsten Tag einen anderen MSR-Hubba-Hering gefunden – ziemlich verbreitet die Zelte, man braucht also gar kein Ersatzteillager. Der Zeltaufbau sieht im Zeitraffer dann etwa so aus:

Ein “Luxuskritikpunkt” ist für mich der Zuschnitt des Zeltstoffes an der Apside: Hier ist schlicht zu viel Stoff, und dieses Problem scheint sich durch die gesamte Hubba-Serie zu ziehen. Sofern nicht alle Heringe sicher im Boden sind scheint unmöglich zu sein die Apside so zu spannen, dass sie bei stärkerem Wind nicht laut flattert. Und das tut sie. Die ganze Nacht. Die einfachste Lösung: Ohropax. Auf weichen Böden habe ich das allerdings noch nicht bemerkt.

Abgesehen von diesen, zugegeben sehr kleinen, Mankos hat mich das Zelt absolut überzeugt. Das gilt insbesondere für das Verhältnis von Komfort zu Gewicht. Ohne ein wirklich sinnvolles Maß dafür zu kennen, würde das Hubba HP solche Rankings mit Sicherheit anführen. Es ist für ein 1-Person-Zelt einfach ideal geschnitten: Schmal, lang und wunderbar hoch. Wie kaum ein anderes Zelt schafft die Hubba-Konstruktion mit geringem Materialaufwand bemerkenswert steile Zeltwände, die ein wirklich überraschend geräumiges Innenzelt erlauben. Auch die Apside bietet mehr Platz als man bei diesem Gewicht auf den ersten Blick vermutet. Hier hat MSR in meinen Augen in der Konstruktion vieles richtig gemacht, was auch an vielen kleinen durchdachten Details zu erkennen ist. Bestes Beispiel hierfür sind die genialen Decken- und Seitentaschen im Innenzelt.

MSR Hubba HP MSR Hubba HP

Wer sich bei dem geringen Gewicht Sorgen um die Robustheit des Materials macht: Das Ripstop-Material funktioniert erfreulich gut (selbst verschuldeter Riss im unteren Außenzelt blieb die ganze Tour über so, wie er ist), und auch das Gestänge hält einiges aus (Bodengestänge um ca. 20° verbogen und funktioniert noch einwandfrei).

Ein echter Pluspunkt in Sachen Gewichtsoptimierung ist außerdem die Möglichkeit – je nach Bedingungen – entweder nur das Außen- oder nur das Innenzelt mitzunehmen. Das Hubba HP bietet im Prinzip ein (aufgrund des Gestänges verhältnismäßig schweres) Tarp für feuchte Herbsttouren oder einen leichten Insektenschutz für trockene Sommerwanderungen. Es ist im Übrigen mit etwas Geschick auch möglich, bei Regen erst das Außenzelt aufzubauen und dann das Innenzelt einzuhängen. Das geht allerdings nur mit der Zeltunterlage, die extra gekauft werden muss. Gleichermaßen praktisch ist umgekehrt das Einpacken bei Regen. Das Zeltmaterial trocknet mit ein bisschen Wind und Sonne übrigens bemerkenswert schnell. In diesem Zuge sei ebenfalls angemerkt, dass auch Kondenswasser bei mittleren einstelligen Temperaturen kein nennenswertes Problem darstellte.

Preis-Leistungsverhältnis und Anmerkungen

Mit rund 400 Euro ist das MSR Hubba HP alles andere als günstig, bietet dafür aber auch einige Innovationen. Und das Wichtigste: Es funktioniert in allen Situationen zuverlässig. Wer es verschmerzen kann macht in meinen Augen eine lohnenswerte Investition.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Varianten Hubba und Hubba HP ist übrigens der Stoff des Innenzeltes. Während das Innenzelt des Hubba noch aus schwarzem, duarchsichtigen Mesh besteht, ist der Stoff des Innzelts des Hubba HP weiß und undurchsichtig. Das Material fühlt sich hochwertig und robust an und ist gleichzeitig deutlich weniger winddurchlässig.

MSR Hubba HP

MSR Hubba HP

Öko-Infos zum Hersteller

  • Cascadedesigns produziert nach wie vor einen großen Teil ihrer Produkte in Seattle (USA) und Cork (Irland). Davon abgesehen gibt es im Internet keinerlei Informationen über Anstrengungen des Unternehmens, z.B. den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Auch im Jahr 2013 ist kompromisslose Intransparenz wohl der traurige Status Quo bei der Mehrheit der Ooutdoorbranche.

Fazit

  • Konstruktion und Materialien
  • Raumausnutzung
  • Geringes Gewicht